Auf unserer Website finden Sie allgemeine Informationen zur Themenzentrierten Interaktion in der Wirtschaft, Wissenswertes über unseren Verein, aktuelle Angebote für Aus- und Fortbildung, sowie unsere Fachtagungen.
: Targeting Downsizing Organizations: What does this mean for managers and consultants? (18.-19.6.2010 in Hannover)
Ruth Cohn (1912-2010) wir danken Dir für Deine Überzeugung, dass wir alle zählen!
Isaac Newton beschrieb die Schwerkraft und definierte die drei Grundgesetze der Bewegung. Ruth Cohn erkannte die Grundprinzipien lebendiger Teams und entwickelte ein Modell für die Gruppensteuerung - die Themenzentrierte Interaktion (TZI). Die vor kurzem mit fast 98 Jahren verstorbene Psychoanalytikerin war eine der einflussreichsten Vertreterinnen der
humanistischen und der
psychodynamischen Psychologie. Wir Mitglieder der Fachgruppe Wirtschaft im Ruth Cohn Institut International erleben täglich bei unserer Arbeit die zeitlose Aktualität ihres Lebenswerkes.
Gruppen-Prozesse laufen immer ab, wo mehr als zwei Menschen zusammen stehen. Man kann sie steuern oder auch nicht. Ruth Cohn hat sich ganz klar für verantwortliches Steuern entschieden. Weder hierarchische Strenge, gruppendynamisches Laissez-Faire noch neutrale Moderation erwies sich für Ruth Cohn als weiterführend. Ihr Ziel war es Gruppenprozesse so zu gestalten, dass die Gruppenmitglieder das jeweils Beste aus ihren unterschiedlichen Welten zusammen legen und dadurch gemeinsam zum Gelingen der Teamaufgabe beitragen. Eine geschulte Wahrnehmung und ein ausbalancierendes Analyseverfahren sind daher für uns in der TZI die relevanten Bausteine für die kooperative Haltung mit Methode.
Als „Symphonie des Lebendigen“ bezeichnete der frühere Max-Planck-Direktor Friedrich Cramer die Suche biologischer Systeme wie z.B. der Gene nach immer neuen Möglichkeiten, in wechselseitige Resonanz zu treten. Ruth Cohn sprach gerne von der Lebendigkeit in Teams als dem zu nährenden Faktor eines gelingenden Arbeitsprozesses. Als Jüdin, die vor Hitler nach Amerika geflohen war, wollte sie durch ihre gleichberechtigten Teamsettings jene Lebendigkeit erreichen, die totalitäre Systeme unmöglich macht. Der Genforscher Joachim Bauer schreibt: „Wir haben heute die Möglichkeit, uns aus dem Albtraum des Darwinismus und der Soziobiologie zu befreien. Die Alternative heißt Kooperation. Das Ergebnis gelingender Kooperation hieße: Menschlichkeit.“ Der einzelne Mensch zählte für Ruth Cohn – jeder und jede! So waren Störungen bei der Teamarbeit für sie nur Hinweise, wie der nächste Schritt im Gruppenprozess zu gestalten ist. Sie ging immer von der subjektiven Brille des Einzelnen aus und erreichte das objektiv bessere Ergebnis der Gruppe. Lange vor den Entdeckungen der Hirnforschung hat Ruth Cohn uns ganz konkret gezeigt, wie Kooperation und Menschlichkeit in Teamprozessen möglich sind.
(Irene Kernthaler-Moser)